Wie lernen unsere Hunde?

Ihr Hund lernt nicht nur wenn Sie mit ihm üben....

 

Ihr Hund lernt nicht nur wenn Sie mit ihm üben. Er lernt auch, wenn Sie nicht mit ihm üben. Er beobachtet, was rund um ihn geschieht, wertet es auf seine Weise aus und lernt daraus. Bei unseren Hunden spielen zwei Lernformen eine Rolle: die klassische und die instrumentelle Konditionierung. Die beiden Lernformen werden nun im folgendem beschrieben: 

 

Klassische Konditionierung :

Bei dieser Lernform wird ein zunächst neutraler Reiz mit einem natürlichen verknüpft.

 

Am bekanntesten der Pawlow`sche Hund:

Pawlow stellte fest, das sein Versuchshund nicht erst beim Fressen zu speicheln begann, sondern schon wenn er die Person, die das Futter brachte, wahrnahm.

Um das zu überprüfen ließ Pawlow vor der Fütterung eine Glocke erklingen. Der Ton ist zunächst für den Hund ohne Bedeutung. Erst durch die Verknüpfung mit Futter über einen gewissen Zeitraum wird der Ton für den Hund bedeutungsvoll. Dann reicht alleine der Glockenton, um den Speichelfluss auszulösen.

In der Hundeausbildung macht man sich diese Art der Konditionierung zunutze. Man nennt das einen positiven Verstärker. So spricht man in der Wissenschaft, die mehr und mehr von den Ergebnissen über die Hirnforschung beeinflusst wird, von Verstärker. Verstärker werden wie folgt definiert: 

 

Definition :

Ein positiver Verstärker ist etwas, was dazu führt, dass ein zuvor gezeigtes Verhalten wahrscheinlich häufiger auftritt.

 

Beispiel: die Türklingel
Klingel – neutraler Reiz ohne Bedeutung
Klingel – Mensch läuft zur Tür wird für den Hund zum (Stimulus) 

Klingel – Mensch läuft zur Türe – der Hund kommt mit der Zeit in einen Erregungszustand - bellt oder springt.

Klingel-Bellen

 

Was ist geschehen?

Obwohl das Klingeln ursprünglich ein neutraler Reiz war und mit einem Erregungszustand des Hundes nichts zu tun hatte, führte es trotzdem dazu, dass der Hund beim Klingelton in einen Erregungszustand kam und dieser zu bellen begann. Der Mensch agierte als Verstärker, denn der Hund hat gelernt, einen neutralen Reiz an eine Reaktion des Menschens anzubinden. Nämlich an das Aufspringen und Hinlaufen seines Menschens zur Tür.

 

Die instrumentelle Konditionierung:

Diese Form des Lernens heißt auch Lernen am Erfolg oder Lernen durch Verstärkung.

Hier kommt unser Freund der Psychologe Skinner zum Zug.

Er lernte z.B. Ratten durch das Ausprobieren, dass nur bei Betätigung eines Hebels Futter in die Schale fiel.

Es folgt also auf ein bestimmtes Verhalten etwas Angenehmes.

Lernen durch positive Verstärkung, hier macht der Hund die Erfahrung, dass sich ein Verhalten lohnt, weil etwas Angenehmes, also Futter, folgt.

 

Beispiel:

Sie rufen den Hund – er kommt und wird für das Kommen belohnt. Ist nun diese Belohnung hoch, so wird das Verhalten häufiger gezeigt. Sie rufen den Hund – er kommt und wird nicht belohnt.

Dann ist die Motivation des Hundes zum zurückzukommen nicht besonders hoch.

Bleibt die Belohnung dauerhaft aus oder ist sie wenig interessant für den Hund, so fehlt die Motivation und das Verhalten wird nicht mehr gezeigt.

Die Motivation sinkt allerdings auch, wenn der Hund für ein bereits erlerntes Verhalten dauerhaft belohnt wird.

Belohnen Sie jedoch variabel, dann bleibt die Erwartungshaltung immer hoch, der Hund wird sich mehr anstrengen um an eine Belohnung zu kommen.

 

Lernen über negative Verstärkung:

Dabei lernt der Hund dass er mit einem bestimmten Verhalten unangenehme Reize vermeiden kann.

 

Beispiel:

Sie rufen Ihren Hund er kommt nicht – Sie verstecken sich und erzeugt so beim Hund ein ziemlich unangenehmes Gefühl. Das kann er abstellen, indem er rasch zu Ihnen kommt wenn Sie ihn rufen.

Auch das Verhalten lohnt sich für den Hund – nämlich das Ausbleiben des negativen Gefühls.

 

Lernen über positive Strafe :

Auf ein unerwünschtes Verhalten folgt eine negative Erfahrung.

Etwas Unangenehmes wird also hinzugefügt, deshalb heißt es positive Strafe (etwas verwirrend das Ganze).

Mit dieser Form von Lernen, sollte man nicht Üben.
Denn hier verunsichert und verängstigt man die Hunde.


Ich persönlich lehne diese Lernform ab und wende diese auch nicht in meiner Arbeit an. Der Vollständigkeitshalber eine kurze Erklärung auch zu dieser Form: 

 

Beispiel:

Der Hund soll sich auf Befehl hinsetzen, der Hund verweigert das Sitz oder ist nicht schnell genug, nun drücken Sie das Hinterteil Ihres Hundes nach unten.

Etwas Negatives wird hinzugefügt nämlich das Drücken mit Ihrer Hand auf das Hinterteil des Hundes. Dies empfindet der Hund als unangenehm oder sogar als schmerzhaft und setzt sich.

Bei dieser Lernform muss die Art und Weise sowie der Zeitpunkt der Einwirkung immer stimmen damit Sie Erfolg haben.

 

Ich hoffe ich konnte Ihnen ein wenig Wissen über das Lernen des Hundes vermitteln.

 

Eure Hundetrainerin 

Martina Busch

 

Quellen:
Katharina Schlegl-Kofler/Rückruf Training für den Hund

Vivien Theby /Verstärker verstehen 

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