Bericht Brustgeschirr

Warum ein Brustgeschirr nicht nur sinnvoller sondern auch gesünder ist...

 

Die Frage, ob Hundehalsband oder Hundegeschirr, ist heute keine Frage mehr des Geschmacks – es geht um die Gesundheit des Hundes!

 

Hundehalsbänder werden immer noch unterschätzt! Das zu starke oder häufige Druckausüben auf den Hundehals birgt viele gesundheitliche Gefahren für unsere Vierbeiner. Dazu ein kurzer Ausflug in die Anatomie des Hundes:

An der Stelle am Hals, an der das Halsband auffliegt, befindet sich beim Hund , je nach breite des Halsbandes, der Axis ( zweiter HW ), es schließen die Halswirbel an, die Luftröhre, der Kehlkopf, die Speiseröhre, Blutgefäße, die Schilddrüse und die Muskulatur.

 

Was passiert also beim Leinenruck

 

Stellen wir uns vor, der Hund zieht stark an der Leine und wird mittels Leinenruck Erzogen! 

 

Auf den einwirkenden Druck durch das Halsband auf den Hals, werden der Axis und die Halswirbel beansprucht. Das Resultat eines zu häufigen und zu starken Zerren am Halsband kann also zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen wie Kehlkopfentzündungen, Bandscheibenvorfall, eine Schilddrüseninsuffizienz, Husten, chronischem Röcheln oder Rücken- und Halswirbelerkrankungen führen. 

 

Der Druck des Halsbandes auf den Hals des Hundes sorgt ebenfalls für Anspannung der Halsmuskulatur, woraus nicht selten eine schmerzhafte Verspannung der Muskulatur resultiert. 

Leidet ein Hund unter Symptomen wie Schwindel, Übelkeit und Schmerzen, kann er uns das nur schlecht oder gar nicht vermitteln. Aggressivität und Gereiztheit könnten also Verhaltensmuster sein, die auf gesundheitliche Beschwerden - welche möglicherweise durch das Hundehalsband ausgelöst wurden - hinweisen. 

 

Ebenfalls kann es zu Quetschungen des Kehlkopfes und der Luftröhre kommen. Zudem werden während des Rucks die Sauerstoffzufuhr und die Blutzufuhr ins Gehirn unterbrochen und der Augeninnendruck erhöht sich. Eine äußerst wichtige Information für alle Hunde, die stark am Halsband ziehen und die womöglich aufgrund ihrer Rasse oder Anatomie zum Glaukom neigen. So wird der intraokuläre Druck beim Zug am Halsband kurzfristig massiv erhöht, wie eine brandneue Untersuchung zeigt.

 

Bei 51 Augen von 26 Hunden wurde der intraokuläre Druck (IOP) von Hunden, die an Halsband oder Brustgeschirr zogen, gemessen. Der Druck, mit dem der jeweilige Hund gegen Halsband bzw. Brustgeschirr zog, wurde zunächst ermittelt. Der IOP wurde gemessen, während der individuell ermittelte Druck einwirkte. Das Ergebnis dieser Untersuchung: 

 

Der IOP stieg signifikant, wenn der Hund massiv gegen das Halsband zog, nicht aber, wenn er gegen das Brustgeschirr zog. Basierend auf diesen Resultaten wird dringend empfohlen, Hunde mit schwacher oder dünner Cornea, Glaukom oder Erkrankungen, für die eine Erhöhung der IOP fatal wäre, nur noch am Brustgeschirr statt am Halsband zu führen (Quelle: Amy M. Pauli, Ellison Bentley, Kathryn A. Diehl, Paul E. Miller (2006): Effects of theApplication of Neck Pressure by a Collar or Harness on Intraocular Pressure in Dogs. In: Journal of the American Animal Hospital Association 42:207-211 (2006)).

 

Wenn Hunde durch Leinenruck Fehlverknüpfen

 

Der Hund verknüpft den Schmerz, den er durch den Leinenruck am Hals erfährt, mit seinem Gegenüber. Das können ein Hund, ein Kind, ein Radfahrer und vieles mehr sein. Durch diese Fehlverknüpfung kann es zu Aggression beim Hund gegenüber der als negativ verknüpften Person oder Situation kommen. 

 

Zahlreiche Hundebesitzer wunder sich aufgrund ihrer Unwissenheit immer noch, warum ihr Vierbeiner zur Leinenaggression neigt. Vielen ist eben nicht bewusst, dass der schmerzhafte Ruck seitens des Hundes nicht mit dem eigentlichen Vorhaben in Verbindung gebracht wird, diesen zum Fußgehen zu erziehen, sondern dieser den Schmerz bzw. das Würgegefühl, wie bereits erläutert, auf die Person bzw. Situation gegenüber projiziert. 

 

Es handelst sich also dabei ganz einfach um einen (Teufels)kreislauf, der durch den Druck am Hals des Hundes verursacht wird. Der Hund versucht den Druck am Hals zu entkommen - die Konsequenz ist in der Regel ein weiterer Ruck von hinten - und der "Spaß" geht wieder von vorne los - der Spaziergang wird zu einem angespannten Wettlauf ohne Sieger. 

 

Natürlich gibt auch Hunde die am Geschirr ziehen aber meine Erfahrung zeigt, wenn ich einen Hund vom Halsband auf das Geschirr umstelle, höre ich von seinem Besitzer meistens, dass der Hund viel Entspannter geht,

 

Erziehung

 

Falls also ein Hundetrainer nicht mit Geschirr arbeitet oder arbeiten will und Sie aber gerne eines benutzten wollen, sollte man sich Gedanken machen ob dieser ausreichend Kompetenzen aufweist um andere nachhaltige Erziehungsmethoden anzuwenden. Die Lösung liegt nämlich nicht in der scheinbar kurzfristigen Lösung der Probleme durch schmerzhafte Bestrafung in Form von Leinenruck. 

 

Ein Ja für das Geschirr

 

Sehen wir uns mal den Brustkorb eines Hundes an! 

Der Brustkorb wird gebildet aus Rippenpaaren, der Brustwirbelsäule und dem Brustbein, also ein durchaus stabileres Bauwerk als der Hals, in dem verschiedene Organe geschützt liegen.

Trägt der Hund ein gutsitzendes Brustgeschirr, wird der Druckpunkt auf das Brustbein verlagert. Der gesamte Halsbereich bleibt vom Druck verschont, wodurch sich der Hund in diesem Bereich freier bewegen kann, was ein entscheidender Vorteil gegenüber dem Halsband ist und das Verletzungsrisiko deutlich geringer hält.

 

Aber nicht nur der gesundheitliche Aspekt zählt! Es gibt den Besitzer auch mehr Sicherheit seinen Hund kontrolliert zu halten wenn eine Situation etwas brennzlich wird. Ein gutes Beispiel ist dafür eine Begegnung mit einem anderem, vielleicht aggressiveren, Hund. Durch das Geschirr hat der Besitzer die Möglichkeit den Hund am Steg zu greifen, der über den Rücken läuft, und übernimmt dadurch schonend die Kontrolle. 

 

Das Hundegeschirr muss gut sitzen

 

Damit ein Hundegeschirr allerdings den Erwartungen gerecht werden kann, muss es so eingestellt werden, dass es einem Hund auch individuell passt. Es ist darauf zu achten, dass der komplette Halsbereich freiliegt und der Druckpunkt sich auf dem Brustbein befindet. Bestenfalls sollte das Material weich und anpassungsfähig sein, was den Hund das Gefühl vermittelt, nicht eingeengt zu sein. Ich kann nur empfehlen sich beim Kauf auf fachkundige Beratung zu verlassen, oder das Geschirr individuelle für ihren Hund anfertigen zu lassen.

 

Alles in allem ist das Hundegeschirr also vorteilhafter als ein Halsband: Es verringert das Verletzungsrisiko beim Gassigehen und verhindert zudem Fehlverknüpfung beim Hund, vorausgesetzt es sitzt richtig. In erster Linie sollte Ihr Hund aber gut erzogen sein - ein guter Besitzer führt seinen Hund mit dem Kopf und nicht mit Gewalt. Dann lösen sich potenzielle Probleme von alleine.

 

Eure Hundetrainerin 

Martina Busch

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